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Wer war Harry Hay?

Harry Hay

Harry Hay wurde 1912 in England geboren, zog jedoch ein paar Jahre darauf mit seiner Familie nach Los Angeles, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte.

Für viele gilt er als Begründer der modernen amerikanischen Schwulenbewegung. Er kämpfte gegen die Behandlung und Intoleranz, der Schwule in den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts seitens der Polizei und der Gesellschaft im Allgemeinen ausgesetzt waren. Er war politisch engagiert, sah sich als Kommunisten und setzte sich bis zu seinem Lebensende aktiv für unterschiedliche arbeits- und bürgerrechtliche Belange ein.

1950 gründete Harry Hay die Untergrundorganisation The Mattachine Society als erste Schwulenrechtsgruppe Amerikas. In den Siebzigern entschloss er sich, mit seinem Aktivismus für schwule Belange verstärkt an die Öffentlichkeit zu treten und gründete zusammen mit anderen die Radical Faeries, eine schwule Männerbewegung, die Schwulsein als eine Form von spiritueller Berufung proklamierte.

„Sein zentraler Gedanke, damals so revolutionär wie heute, ist, dass Schwule in der menschlichen Entwicklung eine besondere Rolle spielen. Er war der Erste, der betonte, dass wir eine unterschiedliche, andersartige Minderheit mit gewissen Wesenszügen und Begabungen sind, überwiegend in Bereichen wie Lehre, Heilung, Vermittlung bei Gegensätzlichkeiten und Kunst“.

Infolgedessen war er gegen die allmähliche Assimilierung schwuler Männer und schwuler Kultur in die Mainstream-Gesellschaft.

Bis zu seinem Tod 2002 in San Francisco im Alter von 90 Jahren lebte er 39 Jahre lang mit John Burnside zusammen, seinem Seelenverwandten und liebenden Gefährten.

Wer mehr über Harry Hay erfahren möchte, sollte die Biographie von Stuart Timmons The Trouble with Harry Hay: Founder of the Modern Gay Movement und Harrys gesammelte Schriften und Essays Radically Gay: Gay Liberation in the Words of its Founder lesen.

Sein Leben ist Gegenstand eines mit mehreren Filmpreisen ausgezeichneten Dokumentarfilms von Eric Slade mit dem Titel Hope along the wind. Mehr Informationen zum Film sowie Harrys Leben und Werk finden sich auf  www.harryhay.com

The guest house

The guest house MindfulGay

The guest house

This being human is a guest house.
Every morning a new arrival.

A joy, a depression, a meanness,
some momentary awareness comes
as an unexpected visitor.

Welcome and entertain them all!
Even if they are a crowd of sorrows,
who violently sweep your house
empty of its furniture,
still, treat each guest honorably.
He may be clearing you out
for some new delight.

The dark thought, the shame, the malice.
meet them at the door laughing and invite them in.

Be grateful for whatever comes.
because each has been sent
as a guide from beyond.

Jelaluddin Rumi, übersetzt von Coleman Barks

Anker

Anchor Anclaje

Anker oder Ankerpunkte sind Orte, an die wir immer wieder zurückkehren können, wenn unsere Gedanken beim Meditieren abschweifen, insbesondere bei der Sitzmeditation.

Es gibt Orte, denen wir uns zuwenden können, wenn wir uns in Gedanken verlieren. Sie sind wie eine Hütte in den Bergen, in der man sich ausruhen oder die Nacht verbringen kann. Sie sind wie ein sicherer Hafen, Orte, an die wir immer wieder zurückkommen können und uns immer willkommen fühlen. Es ist wie nach Hause zu kommen oder einen guten Freund zu besuchen oder jemanden, bei dem wir uns sicher fühlen.

Wenn wir meditieren, wird unser Verstand oft plötzlich aktiv und beginnt abzuschweifen, zu denken…. verschiedene Arten von Gedanken….. Sorgen, Zweifel, Ängste, Zukunftspläne…

Wenn wir mit dem Meditieren beginnen, ist unser erster Anker die Atmung. Einatmen und Ausatmen. Immer wieder zur Atmung zurückkommen. Es spielt keine Rolle, wie oft. Wir tun es einfach.

Es kann sein, dass wir über Jahre hinweg meditieren und dabei unsere Atmung als einzigen Anker verwenden. Doch wenn wir für sie für einige Zeit verwendet haben, können wir andere Ankerpunkte erforschen.

Der nächste Schritt ist der Kontakt, die Kontaktpunkte unseres Körpers mit dem Stuhl, mit dem Kissen, mit der Matte, mit dem Boden.

Wir können auch intensive körperliche Empfindungen wie Jucken, Kribbeln oder Schmerz verwenden.

Dann gibt es die Geräusche, alle möglichen Geräusche um uns herum, die uns ablenken und uns sogar auf die Nerven gehen können, wenn wir versuchen, uns zu konzentrieren, zu meditieren. Doch anstatt deshalb beunruhigt oder verärgert zu sein, können wir uns mit diesem Geräusch, das uns sozusagen überfällt, anfreunden und es als Anker verwenden, genauso wie wir dies mit intensiven Empfindungen tun.

Fehlt noch etwas? Natürlich, die Gedanken! Und wieder gilt: Genauso wie die anderen ungebetenen Gäste können wir sie als Ankerpunkt nutzen, in einer Art „Berühren und Loslassen“. Wir sind uns ihrer bewusst, wir berühren sie und wir lassen sie los.

Nach der Atmung können wir entweder die hier erwähnten unterschiedlichen Ankerpunkte systematisch durchgehen oder aber für alles, was sich ergibt, offen sein: Eine Berührung, ein Gedanke, ein Geräusch…

Alles ist willkommen, jeder ist willkommen. Was auch immer, wer auch immer.

Interview mit Scott Dillard, Organisator der 2014 Gay Spirit Visions Fall Conference

Scott Dillard

Scott Dillard ist seit einigen Jahren aktives Mitglied von Gay Spirit Visions (GSV) und war der Organisator der 2014 Fall Conference, die im September in ´The Mountain` in North Carolina (USA) stattfand.

Hallo Scott, es ist uns eine Freude und Ehre, dich heute bei uns zu haben. Könntest du bitte den Lesern von MindfulGay sagen, was Gay Spirit Visions (GSV) ist und worin der Hauptzweck der Organisation besteht?
Der Hauptzweck von Gay Spirit Visions ist es, drei Mal im Jahr (Herbst, Winter und Frühjahr) Tagungen für Männer zu veranstalten, die Männer lieben und spirituell interessiert sind.

Seit wie vielen Jahren trefft ihr euch, zuerst ein Mal jährlich im Winter und später drei Mal im Jahr im Winter, Frühjahr und Herbst? Was war an dem Treffen in diesem Herbst so besonders?
Wir treffen uns seit 25 Jahren im Herbst und seit ein paar Jahren auch im Winter und Frühjahr. Dieses Jahr war etwas ganz Besonderes wegen des 25-jährigen Jubiläums, für uns ein Anlass, Bestandsaufnahme zu machen: Wo waren wir? Wo sind wir jetzt? Wohin möchten wir als nächstes?

Ihr habt euch immer in ´The Mountain` in den Bergen von North Carolina getroffen. Glaubst du, die besondere Energie an diesem Ort macht das Treffen so einzigartig?
Ich habe eine lange Verbindung zu ´The Mountain`, seit ich auf der Uni und dann Dekan der „Mountain School for Congregational Leadership“ war, einer Führungsschule für Laienführungskräfte der Unitarian Universalist Church. Darüber hinaus habe ich ein paar Jahre lang eine Gruppe von Schauspielern und Performern geleitet, die zu Performance Workshops nach ´The Mountain` kam. Und ich muss sagen, dass ´The Mountain` ein besonderer Ort ist, der ganz unterschiedliche Gruppen aufnimmt. Ich glaube schon, dass es die Mission dieses Ortes mit sich bringt, jeden, der in dieses Retreat-Center kommt, mit Liebe zu begegnen. Das und die wunderschöne natürliche Umgebung machen diesen Ort zu etwas ganz Besonderem und Ehrwürdigem. Außerdem glaube ich, dass wir von GSV diesen Ort mit unserer eigenen besonderen Energie erfüllt haben, die zu der von ´The Mountain` praktizierten liebevollen Aufnahme hinzukommt.

Viele der Männer kommen aus Georgia und North Carolina. Manche von ihnen leben in kleinen Gemeinden. Stärkt dies das Brüderlichkeits- und Gemeinschaftsgefühl?
Ich denke, dass alle Männer, unabhängig davon, woher sie kommen, das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Männergemeinschaft empfinden, die geographische Grenzen überschreitet. Ich bin sicher, dass es für Männer, die isoliert in ganz kleinen Gemeinden leben, ein Geschenk des Himmels ist, einen Versammlungsort zu haben, der sie in den Mittelpunkt des Universums anstatt an den Rand ihrer Kleinstadt rückt.

Könntest du unsere Leser bitte darüber informieren, an welchen Arten von Aktivitäten sie teilnehmen können, falls sie sich entschließen, zu einer GSV-Tagung zu kommen?
Bei einer typischen Herbsttagung gibt es meist einen Gastredner, der das Thema der Tagung durchleuchtet. Dann werden die Teilnehmer kleinen Gruppen zugewiesen, die während der Tagung zusammenbleiben. Diese kleinen Gruppen helfen, die Informationen und Erfahrungen bei der Tagung zu verarbeiten. Es gibt immer eine Tanz- und Talentshow. Normalerweise gibt es eine Auswahl an Workshops, Gehmeditationen im Labyrinth sowie von den teilnehmenden Männern spontan vorgeschlagene Workshops.
Die Winter- und Frühjahrstagungen sind natürlich ein bisschen anders. Sie sind kürzer als im Herbst und haben eine besondere Note. Die Wintertagung ist beschaulicher und meditativer. Die Frühjahrstagung hat eine lockere Struktur und wechselnde Beiträge.

Spiritualität ist ein wesentlicher Teil der GSV-Tagungen. Sind Männer aller Religionen bei den Tagungen willkommen?
Männer aller Religionen und spirituellen Pfade sind bei der Tagung willkommen. Wir kommen aus vielen Glaubensrichtungen und haben unterschiedliche Lebenswege hinter uns. Wir treffen uns, um voneinander zu lernen und uns bei der Suche nach Bedeutungen und der Verbindung gegenseitig zu unterstützen.

So viel ich weiß, ist Gay Spirit Visions eine gemeinnützige Organisation und alle, die an der Organisation und Planung der unterschiedlichen Aktivitäten beteiligt sind, tun dies absolut uneigennützig. Stimmt das?
Ja, es handelt sich um eine vollkommen freiwillige Organisation. Es gibt einen Vorstand, der die Belange der Gruppe beaufsichtigt und die Tagungen plant. Diese Männer sind für eine befristete Zeit im Amt und werden dann durch andere, mit GSV in Verbindung stehende Männer ersetzt. Außerdem gibt es viele Ausschüsse, die sich aus Männern aus dem ganzen Land zusammensetzen und zum Erfolg der Tagungen beitragen, indem sie sich um verschiedene Aspekte der Treffen wie die einzelnen Rituale, Dekoration, Shows und Diskussionsrunden kümmern.

Was hat es dir und den übrigen Tagungsteilnehmern bedeutet, dass John Stasio, der Gründer von Easton Mountain, als Gastsprecher auftrat?
Ich bin begeistert, dass John kam und mit uns gesprochen hat. Ich hatte John vor ein paar Jahren bei einer Tagung schwuler spiritueller Führungskräfte kennen gelernt und das Glück, einer Performance in seinem Easton Mountain Retreat Center beizuwohnen. Übrigens war John zufällig bei meiner Ordination zum interreligiösen Priester in New York City. Er hatte vor, in dasselbe Seminar zu gehen, das ich besuchte, und hatte keine Ahnung, dass ich ordiniert werden sollte, als er an der Feier teilnahm. Als ich für unsere Herbsttagung als Thema „Gemeinschaft“ festlegte, war John der erste, an den ich dachte, als es darum ging, einen Vortragenden einzuladen, weil er lange in einer Gemeinschaft in Easton Mountain gelebt hat. Das Feedback, das ich von den teilnehmenden Männern erhalten habe, war durchweg positiv. John hat mit uns auf Herzensebene gesprochen und uns sogar aufgefordert, als Organisation in größeren und ehrgeizigeren Dimensionen zu denken.

Welche Gefühle und Erinnerungen hast du jetzt, wo die Tagung einige Tage zurückliegt, nachdem du Organisator der Tagung gewesen bist?
Ein Bild vom Ende der Tagung wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Da war ein junger Mann, der als Praktikant bei ´The Mountain` war und zu unserem Abschlusstreffen kam. Als ich die Männer zusammenführte, um mit unseren Körpern eine menschliche Spirale zu bilden, sah ich von der Mitte dieser Spirale aus, dass mich dieser junge Mann anschaute. Er war von dem Erlebnis so überwältigt, dass er gleichzeitig weinte und lächelte. Ich nahm seine Hand und hielt sie, während wir sangen und flüsterte ihm zu „Alles wird gut“. Er nickte und lächelte mir mit Tränen in den Augen zu. Für mich ist es das, worum es bei GSV geht. Es ist ein Ort, an dem wir uns vor Isolation und Einsamkeit retten und Männern helfen, sich verwirklicht und lebendig zu fühlen. In jenem Augenblick mit diesem jungen Mann hatte ich das Gefühl, dass ich meinen Job richtig gemacht hatte. Ich hatte ihm einen Raum geboten, in den er eintreten konnte, um von seinen Brüdern umarmt und geliebt zu werden. Er war zu Hause angekommen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, Scott. Es war uns eine große Freude, dich bei uns zu haben.

 

Berge und Achtsamkeit

man meditating

Nach meiner Rückkehr vor ein paar Tagen aus „The Mountain“ in North Carolina, tief verborgen in den Appalachian Mountains, ist das Bild eines Bergs in meinen Gedanken sehr präsent. Ich musste daran denken, wie wichtig die Vorstellung davon in der Achtsamkeit und MBSR ist.

Bei der Sitzmeditation im Schneidersitz auf dem Boden oder auf einem Stuhl verwenden wir das Bild eines Bergs, der majestätisch und würdevoll emporragt, so wie wir aufrecht in einer würdevollen Haltung sitzen, und uns unserer Atmung bewusst sind, verankert, bewegungslos, das Geschehen um uns herum nicht wahrnehmend. So wie Jon Kabat-Zinn sagt: “Wenn wir bei unserer Meditation zum Berg werden, können wir seine Stärke und Stabilität übernehmen und uns zu eigen machen.” (Wherever you go, there you are: Mindfulness meditation in everyday life. New York: Hyperion, 199).

Ebenso verwenden wir den Vergleich mit einem Berg, wenn wir Achtsames Yoga praktizieren. Wenn wir mit unseren Füßen schulterbreit auseinander dastehen, mit unseren Armen parallel zum Körper. Mit aufrechter Wirbelsäule, in würdevoller Haltung, lenken wir unser Bewusstsein auf die Verbindung mit dem Boden. Mit den Füßen fest auf dem Boden, verbunden, stabil und voller Kraft, wie ein Berg, der aus der Erde in die Höhe ragt. Immer wieder kommen wir beim Achtsamen Yoga darauf zurück. Wir wissen, dass wir diese Haltung jederzeit immer wieder einnehmen können, was immer wir gerade tun, wo immer wir gerade sind. Wir fühlen uns sicher, verbunden, verwurzelt, im Hier und Jetzt.

Wir männerliebenden Männer sollten uns von Bergen inspirieren lassen, wenn wir Achtsamkeit praktizieren. Sie sollten in unserer Vorstellungskraft, in unserem Geist und in unserem Körper sein.

Eine Annäherung an James Broughton

James Broughton

James Broughton ist der Inbegriff eines Schriftstellers, dessen Leben und Werk durchgehend von Achtsamkeit geprägt war.

Er wurde 1913 in Modesto (Kalifornien) geboren. Er war Dichter, experimenteller Filmemacher und Anhänger der San Francisco Renaissance, einer literarischen Bewegung, die der Beat Generation vorausging. Er wirkte an der kulturellen Gegenbewegung Radical Faeries mit und war Mitglied der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz.

Sein Werk spiegelte sich in seinem Leben wider. Er war ein Freigeist und erforschte und überschritt die Grenzen zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit, Heterosexualität und Homosexualität, Jugend und Alter, Ausstieg und Sozialisierung, Körper und Geist. Dem anhaltenden Druck seitens seiner Familie und der Gesellschaft zum Trotz hatte er nie Angst davor, seinen Instinkten und Überzeugungen zu folgen.

Der Dichter und Verleger Jonathan Williams gab ihm den Beinamen ´Big Joy`, den sich James in der Tat sein ganzes Leben hindurch verdient hatte.

In den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts begann er mit dem Film zu experimentieren. Er machte Avantgarde-Filme, in denen er Themen wie Sex, Tod und den Sinn des Lebens hinterfragte. Dafür gewann er mehrere Preise, darunter eine Auszeichnung für sein Lebenswerk durch das American Film Institute sowie einen, von Jean Cocteau auf dem Filmfestival in Cannes für seinen Film überreichten Preis The Pleasure Garden.

Er schrieb über 20 Bücher. Poesie war eine seiner größten Leidenschaften. Ein Beispiel für die Bedeutung des Hier und Jetzt in seinem Werk sind die Gedichte ¨Closure` und ´This is it`, die in anderen Posts in diesem Blog zu finden sind.

James Broughton hatte in seinem Leben Beziehungen sowohl mit Männern als auch mit Frauen. Mit seiner Frau, der Künstlerin Suzanna Hart, hatte er zwei Kinder, sowie darüber hinaus eine Tochter mit der Filmkritikerin Pauline Kael. Mit über 60 begann James Broughton eine Beziehung mit dem kanadischen Studenten Joel Singer, die bis zu Broughtons Tod im Jahre 1999 fast 25 Jahre anhielt.

Ausführliche Informationen über Leben und Werk von James Broughton sowie den preisgekrönten Dokumentarfilm Big Joy: the adventures of James Broughton von Stephen Silha und anderen aus dem Jahr 2012 finden sich auf http://bigjoy.org.

This is it, von James Broughton

Wir haben beschlossen, diese Gedichte nicht zu übersetzen und im englischen Original wiederzugeben.

This is It

This is It

and I am It

and You are It

and so is That

and He is It

and She is It

and It is It

and That is That

O it is This

and it is Thus

and it is Them

and it is Us

and it is Now

and Here It is

and Here we are

so This is It.

 

This is it (# 2)

This is It

This is really It.

This is all there is.

And it´s perfect as It is.

There is nowhere to go

but Here.

There is nothing here

but Now.

There is nothing now

but This.

And this is It.

This is really It.

This is all there is.

And it´s perfect as It is.

 

James Broughton

Schokolade achtsam essen

chocolate mindulness

Allein mit einem Stück Schokolade.

Versuchen, sie so zu essen, wie wir es noch nie getan haben.

So, als ob wir nicht wüssten, was es ist, was wir gerade in der Hand halten.
Sie mit den Fingern berühren.

Sie neugierig und respektvoll berühren.

Ist sie weich? Ist sie hart? Welche Textur hat sie? Ist sie glatt, ist sie rau? Ist sie klebrig?
Wie sieht sie aus, welche Form hat sie, welche Farbe?

Riecht sie irgendwie besonders?

Was geschieht, wenn wir sie ans Ohr halten? Gibt sie irgendein Geräusch von sich? Wie klingt es, wenn wir sie am Ohr reiben?

Wir können sanft mit ihr über unsere Lippen streichen. Was empfinden wir dabei? Schmilzt sie schon?

Jetzt stecken wir sie in den Mund und fangen an, mit der Zunge damit zu spielen.

Wie schmeckt sie? Süß, bitter, salzig? Nach einer Mischung?

Ist sie kalt? Ist sie warm?

Lassen wir sie im Mund schmelzen oder knabbern wir mit den Zähnen daran?

Sind wir uns bewusst, was passiert, wenn wir sie schlucken?

Die Schokolade ist nicht mehr in unserem Mund. Ist noch etwas davon da? Ein Geschmack; ein besonderes Gefühl; etwas, das wir nicht beschreiben können, oder eben einfach gar nichts?

Was war das für eine Erfahrung?

War es anders als bei anderen Gelegenheiten, wenn wir Schokolade gegessen haben, allein, mit unserer Familie, mit Freunden, mit einem Liebhaber, mit unserem Partner?

So wie bei der Übung mit der Rosine ist dies ein Beispiel für das, was geschieht, wenn wir den Autopilot-Modus verlassen, in dem wir uns so oft im Leben befinden.

Wenn wir das, was wir im gegenwärtigen Augenblick tun, mit Achtsamkeit und voller Aufmerksamkeit tun, eröffnet sich uns eine ganze neue Welt voller Empfindungen Willkommen bei der Herausforderung!

Meditating open air

open air

Meditating open-air

Meditating open-air.

Feeling connected to the earth, feeling grounded, feeling rooted.

The wind blowing in your face.

Listening to the sound of water, the power of water, water falling into the void.

Blending with nature.

Becoming merged with it.

Becoming one.


Von Manuel Grau (Foto), Gründer von MindfulGay

Meditieren unter freiem Himmel

Meditieren unter freiem Himmel

Sich mit der Erde verbunden fühlen, im Einklang mit ihr, verwurzelt…

Der Wind weht dir ins Gesicht.

Dem Geräusch des Wassers lauschen; der Kraft des Wassers; Wasser, das in die Tiefe fällt.

Mit der Natur verschmelzen.

In sie übergehen.

Eins werden.

Andrew Ramer: Zum selben Stamm gehören

2 Flutes Playing Andrew Ramer

Andrew Ramer ist Dichter, Schriftsteller und Maggid (eine Art jüdischer Wanderprediger). Er wurde in New York geboren und lebt heute in San Francisco (Kalifornien), wo er aktives Mitglied einer LGBTQ-Synagoge und spiritueller Berater einer Mennonitengemeinde ist. Er lehrt Jüdische Studien und Soziale Gerechtigkeit an einer Jesuitischen Universität.

Spiritualität und besonders schwule Spiritualität ist ein wesentlicher Teil seines Lebens. So war er an mehreren Gemeinschaften wie zum Beispiel der „Gay Spirit Visions Conference“ in Nordkalifornien und dem „New York Healing Circle“ aktiv beteiligt.

Einige Jahre lang schrieb er eine Kolumne über spirituelle Praxis für das „White Crane Journal“ und hat eine Reihe von Büchern veröffentlicht (Romane, Bücher über Engel, homoerotische Anthologien und Kurzgeschichten).

Über sich selbst schreibt er: „Aus meinem Werk lässt sich ein Spektrum von Stimmen herauslesen, von denen manche mir gehören, manche jedoch übertragen wurden, ein Wort, das ich dem Begriff ‘kanalisiert´ vorziehe“.

Sein bekanntestes Buch ist Two Flutes Playing (Lethe Press, 2005). Darin überdenkt und betont er die Bedeutung der Mythologie für schwule Männer sowie die Realität der Existenz des schwulen Stammes als eine einzigartige Gruppe von männerliebenden Männern, die dabei ist, ihren Platz in der Geschichte und heutigen Gesellschaft zurückzuerobern.

Zu seinem Buch sagt Andrew Ramer: “(…) Ich möchte hier über die Heiligen und Helden schwuler Stämme sprechen. Denn dies ist ein Zeitraum in der Geschichte der Menschheit, der im Lauf der Zeit verloren gegangen ist und der unbedingt wieder ins Gedächtnis gerufen werden muss. Denn die Helden der anderen Stämme sind bekannt. Aber an diesen kleinen, ehrwürdigen Stamm, dessen Geschichte verschleiert wurde, erinnert sich niemand”.

Andrew Ramer ist einer der schwulen Schriftsteller und Intellektuellen, die in Mark Thompsons Buch Gay Soul: Finding the Heart of Gay Spirit and Nature (Harper, San Francisco, 1994) porträtiert und interviewt werden.

Andrew Ramer im Internet: http://www.andrewramer.com.

Unser besonderer Touch, von Andrew Ramer

manos gays mindfulness

„Das Wichtigste, was wir uns als schwule Männer gegenseitig versichern können, ist, dass es einen Grund dafür gibt, dass wir hier sind, und wir alle wissen, was dieser Grund ist. Wir wissen es, wenn wir zusammenkommen und merken, wer wir sind, was wir tun und was wir der Welt bieten. Es gibt eine Zeile aus einem indianischen Heilgesang, die lautet: ‘Du verleihst dem ganzen Leben diesen besonderen Touch’. Wir Schwule wissen, was unser besonderer Touch ist“.

Andrew Ramer, nordamerikanischer schwuler Schriftsteller und Maggid.

Mindful Yoga oder Achtsames Yoga

mindful movement

Mindful Yoga oder Achtsames Yoga, auch Mindful Movements genannt, ist eine der formellen Meditationspraktiken, die im Rahmen von MBSR (Stressbewältigung durch Achtsamkeit) verwendet wird.

Häufig wird die Frage gestellt, was Yoga oder Bewegung im allgemeinen mit Meditation zu tun hat.

Der Zweck von Mindful Yoga oder Achtsamem Yoga ist, den Aufmerksamkeitsfokus auf die Bewegung zu richten, sich bewusst zu sein, was mit unserem Körper und in uns geschieht, wenn wir uns bewegen.

Obwohl der Begriff Achtsames Yoga lautet, handelt es sich dabei nicht um Yoga im Reinzustand. Es übernimmt Bewegungen und Stellungen aus dem Yoga, aber ebenso aus dem Qigong, dem Tai Chi, dem Tanz oder sogar aus alltäglichen Bewegungen. Hinzu kommt ein Element der Aufmerksamkeit und Konzentration in Bezug auf das, was wir in jenem Augenblick tun, also uns bewegen.

Es kann im Stehen oder im Liegen praktiziert werden. Meistens wird es mit offenen Augen durchgeführt. Die Augen können dabei aber auch geschlossen werden, was der Bewegung eine andere Dimension verleihen kann.

Müssen wir in Form sein, um die verschiedenen Bewegungsabläufe des achtsamen Yoga ausführen zu können? Überhaupt nicht! Das ist das Schöne daran: Es gibt immer eine Art von Bewegung, die wir machen können, selbst wenn wir sie nur andeuten. Es spielt keine Rolle, ob wir regelmäßig Sport treiben oder nicht, ob wir alle vier Gliedmaßen haben oder nicht oder ob unsere Mobilität eingeschränkt ist. Es geht lediglich darum, sich der jeweiligen Bewegung bewusst zu sein, selbst wenn sie kaum wahrnehmbar ist.

Es geht weder um einen Wettbewerb mit anderen noch mit uns selbst. Es geht einfach darum, den Augenblick zu erleben, unsere eigene Erfahrung zu erleben, so wie wir das bei der Sitzmeditation oder dem Body Scan tun.

In sich Hineinhorchen und Selbstachtung sind hier von wesentlicher Bedeutung.

In sich hineinhorchen, auf das achten, was unser Körper uns in diesem Augenblick sagt… Wie weit können wir gehen? Wann müssen wir aufhören? Wann müssen wir in die Ausgangsposition zurückkehren?

Selbstachtung: Wir müssen lernen, unseren Körper zu respektieren und uns unserer Grenzen bewusst werden. Grenzen, die von Mensch zu Mensch variieren. Grenzen, die sogar bei uns selbst von Tag zu Tag oder von Moment zu Moment variieren können.

Solange wir Achtsames Yoga praktizieren, gibt es nichts anderes. Nur wir, unser Körper, die jeweilige Bewegung: erfahren, hineinhorchen, integrieren.

Höchstwahrscheinlich haben wir unsere Hände und Arme tausend Mal im Laufe unseres Lebens gehoben, doch wenn wir es achtsam tun, erreichen wir eine ganz andere Dimension, von deren Existenz wir vielleicht gar nichts ahnten.

Walking Meditation oder Gehmeditation

walking meditation mindfulness

Wir alle gehen jeden Tag. Doch meistens tun wir es automatisch, ohne auf den Mehrwert zu achten, den es uns geben kann.

Jon Kabat-Zinn wollte dem Gehen einen neuen Sinn verleihen. Deshalb nahm er die Walking Meditation oder Gehmeditation mit in die Reihe formeller Praktiken von MBSR (Mindfulness-based Stress Reduction), also Stressbewältigung durch Achtsamkeit, auf.

Meditieren im Gehen ist genauso einfach wie Gehen, aber während der Walking Meditation kannst du die Reize, die du siehst, die du empfindest, die Gerüche und das Gefühl beim Aufsetzen deiner Füße auf dem Boden in die Meditation einbinden. Was du vermeiden solltest, ist, dich von anderen Gedanken und damit von der inneren Beobachtung ablenken zu lassen.

Es kann sein, dass uns das Meditieren im Gehen am Anfang schwer fällt. Wir haben unsere Beine so viele Jahre lang auf mechanische Weise benutzt, dass wir uns bei der Durchführung dieser Aktivität womöglich sogar schwerfällig und ungelenk vorkommen. Du kannst deinen Blick nach vorne richten oder aber auf den Boden blicken und zusehen, wie dein Fuß vom Boden abhebt und wieder aufsetzt, und den Rhythmus deiner Schritte fühlen.

Jeder Moment kann für die Gehmeditation genutzt werden: Kleine Strecken zu Fuß, zu Hause, in einem Park, auf dem Weg zur Arbeit oder dem Nachhauseweg… Es bietet sich immer eine Gelegenheit, um aus diesem Weg eine Gelegenheit zum Meditieren zu machen. Gehen als Praxis an sich, ohne es als ein Mittel von vielen zu betrachten, wie wir das in unserem hektischen Alltag tun.

Nimm dir Zeit. Keine Hast. Geh einfach mit Muße ohne Ziel, ohne die Absicht, einen bestimmten Ort zu erreichen. Möchtest du zum Beispiel auf einer Strecke meditieren, für die du 5 Minuten brauchst, nimm dir doppelt so viel Zeit und praktiziere 10 Minuten lang die Gehmeditation.

Vor Beginn der Meditation solltest du daran denken, während der ersten zwei oder drei Schritte langsam zu atmen, um deinen Körper an diese neue Gehweise zu gewöhnen. Deine Aufmerksamkeit sollte sich auf die Fußsohlen richten: Sei Dir des Kontakts zwischen den Sohlen und dem Boden, über den du gehst, bewusst.

Du musst die Atmung kontrollieren. Sie soll leicht und gemächlich sein. Sie hilft dir, die Auswirkungen von Stress abzubauen und erleichtert die Meditation. Atme langsam, aber tief, indem du durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmest.

Und das Allerwichtigste: Erlebe die Erfahrung. Setze dir keine Mindest- oder Höchstzeit, um im Gehen zu meditieren. Und wenn du mit der Meditation fertig bist, denke ein paar Minuten darüber nach, was sie für dich bedeutet hat, wie du durch sie Gelassenheit, inneren Frieden und Freude gefunden hast.

Body scan

body scan mindfulness

Zu dem Begriff Body Scan können uns alle möglichen Gedanken, Bedeutungen oder Assoziationen in den Sinn kommen.

Der Body Scan gehört zu den formellen Meditationspraktiken, die einen Teil von MBSR (Stressbewältigung durch Achtsamkeit) bilden. Er ist die erste Meditation, die im Kurs gelehrt und praktiziert wird.

Dabei handelt es sich um eine Meditation im Liegen, bei der unser Aufmerksamkeitsfokus die einzelnen Teile unseres Körpers systematisch „abtastet“.

Der Body Scan wird normalerweise auf dem Boden liegend mit den Armen parallel zum Körper durchgeführt. Er kann jedoch auch im Sitzen oder in anderen Haltungen wie der „Astronautenstellung“ (Oberkörper auf dem Boden, Knie angewinkelt und Beine auf einem Stuhl) ausgeführt werden.

Beim Body Scan schließen wir für gewöhnlich die Augen. Falls wir uns dabei jedoch unwohl fühlen oder einschlafen, können wir sie auch offen lassen.

Es ist möglich, dass wir uns bei dieser Übung entspannen, was allerdings nicht das Ziel dieser Art von Meditation ist. Wir sollten während der ganzen Übung wach und aufnahmefähig bleiben. Doch wieder gilt: Falls wir einschlafen, dann macht das gar nichts. Wir fahren beim Aufwachen einfach mit der Übung an jenem Körperteil fort, an dem wir waren, bevor unsere Aufmerksamkeit nachgelassen hat.

Wir wollen keine Veränderung herbeiführen oder ein bestimmtes Ziel erreichen. Es geht lediglich darum, dem, was wir in jedem Moment fühlen, sowie den Empfindungen, die wir wahrnehmen können, Aufmerksamkeit zu widmen, während wir die einzelnen Körperteile „durchchecken“.

Beim Body Scan checken wir unseren ganzen Körper durch und werden uns bewusst, was zu einem konkreten Zeitpunkt in einem bestimmten Bereich geschieht. Dabei akzeptieren wir alle Empfindungen oder Gefühle, die wir haben oder auch nicht haben können.

Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf unsere einzelnen Körperteile. Dabei halten wir eine bestimmte Reihenfolge ein, obgleich es keine ideale Weise dafür gibt. Wir können bei den Zehen beginnen und am Kopf abschließen oder umgekehrt.
Wie auch bei der Sitzmeditation geht es darum, uns zu erfahren und all das, was wir im Hier und Jetzt vorfinden, zu akzeptieren.

Sitting Meditation oder Sitzmeditation

 

Sitting meditation mindfulness

Zeit für sich selbst zu finden…

Was für eine schwierige Angelegenheit in dieser hektischen Welt, in der wir leben…

Wir alle haben ein wenig Zeit für uns verdient. Eine Zeit, in der uns nichts stören kann. Ohne Telefon, ohne Unterbrechungen, einfach nur wir…

Doch das ist nicht einfach. Es gibt immer etwas zu tun. Die Strömung, in der wir schwimmen, reißt uns mit…

Um regelmäßig zu meditieren, sind Verpflichtung, Anstrengung und Disziplin erforderlich.

Zu Beginn können fünf Minuten genug sein. Fünf Minuten für den Anfang.

Wir können uns drinnen oder draußen hinsetzen, auf den Boden, auf ein Kissen oder einen Stuhl.

Aufrecht sitzen. In einer würdigen Haltung.

Die Hände können wir in den Schoß, auf die Oberschenkel oder dorthin legen, wo es sich für uns am Besten anfühlt.

Wir beginnen damit, unsere Aufmerksamkeit auf unsere Atmung zu lenken. Wir atmen ein und wir atmen aus. Wir fühlen, wie sich unser Bauch beim Einatmen ausdehnt und beim Ausatmen zusammenzieht.

Sonst gibt es nichts, nur die Atmung. Die Luft, die ein- und austritt.

Währenddessen versuchen alle möglichen Gedanken unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Gedanken, Gefühle, Empfindungen… Das ist alles in Ordnung… Keine Schuldgefühle, keine Urteile. Wir bemerken einfach, was geschieht und wenden uns wieder der Atmung zu.

Und wieder beginnt unser Geist abzudriften… Wir registrieren dies einfach und lenken unsere Aufmerksamkeit wieder auf die Atmung.

Es ist kein Kampf, kein Wettbewerb mit uns selbst oder mit den anderen.

Es ist ein Zusammentreffen mit dem Hier und Jetzt, mit dem gegenwärtigen Augenblick, mit jedem von uns.

Plötzlich merken wir, dass die Zeit abgelaufen ist. Wir können das Gefühl haben, dass die Gedanken die ganze Weile über abgedriftet sind, dass wir es nicht richtig gemacht haben, dass etwas schief gegangen ist, das wir dafür nicht taugen.

Wir können uns entmutigt, ernüchtert oder enttäuscht fühlen.

Keine Erwartungen hegen, einfach fließen lassen, vertrauen, die Erfahrung erleben… Was immer es ist, wo auch immer es uns hinführt…

So wie Jon Kabat-Zinn sagt: “Probiere es ein paar Jahre aus und schau, was passiert.“

Stressbewältigung durch Achtsamkeit: MBSR (Mindfulness-based Stress Reduction)

MSBR Mindfulness

Möglicherweise ist dir der Begriff MBSR inzwischen bereits vertraut. Er ist die Abkürzung für Mindfulness-based Stress Reduction, zu Deutsch Stressbewältigung durch Achtsamkeit.

Wie du sicher auch schon weißt, wurde MBSR von Jon Kabat-Zinn in den siebziger Jahren entwickelt. Auf der Grundlage buddhistischer Meditationsprinzipien gestaltet, ist die wesentliche Zielsetzung des 8-wöchigen Kurses, Stress abzubauen und dir zu zeigen, wie du in deinem Leben jederzeit achtsam sein kannst.

Die wichtigsten der im Kurs verwendeten Meditationspraktiken sind die Sitzmeditation (Sitting Meditation), der Body Scan, die Gehmeditation (Walking Meditation) und Achtsames Yoga (Mindful Yoga), auch als Achtsamkeit in Bewegung (Mindful Movements) bekannt.

Dies sind die einzelnen Varianten dessen, was als formelle Meditationspraxis bezeichnet wird. Bei allen von ihnen ist zumindest am Anfang der wichtigste Anker bzw. das wesentliche Aufmerksamkeitsobjekt die Atmung. Jon Kabat-Zinn sagt: „Probiere es ein paar Jahre lang aus und schau, was passiert.“

MBSR umfasst auch informelle Praktiken. Das bedeutet die Anwendung von Achtsamkeit auf unterschiedliche alltägliche Aktivitäten wie zum Beispiel Essen, Zähneputzen oder Abwaschen.

Die einzelnen Sitzungen werden zu Hause durch das Anhören von Meditations-CDs und das Lesen von Textmaterial die Woche über ergänzt.

Darüber hinaus wird bei der Bildung einer Gruppe zu Kursbeginn eine Verpflichtung und Verbindung unter allen Teilnehmern geschaffen.

Diese Verbindung zwischen Kursleiter und Teilnehmern sowie der Teilnehmer untereinander entwickelt sich und wächst im Laufe des Kurses, vergleichbar mit einer Patchwork-Decke, an der alle Kursteilnehmer einschließlich des Kursleiters gemeinsam arbeiten.

Die Verpflichtung, an allen Stunden teilzunehmen, wirkt sich sowohl zugunsten des Teilnehmers selbst als auch zugunsten der anderen Teilnehmer aus. Die gleiche Verpflichtung geht über jede Sitzung hinaus, wenn die restliche Woche über zu Hause die praktischen Übungen gemacht werden.

Dass uns vor der Teilnahme an einem MBSR-Kurs Zweifel durch den Kopf gehen, ist ganz normal.

Wir könnten uns zum Beispiel fragen: Muss ich Erfahrung in Meditation haben? Nein, überhaupt nicht. Es geht weder darum, perfekt zu sein, noch darum, gegen sich selbst oder andere in Wettstreit zu treten. Das ist so einfach wie sich auf die Atmung zu konzentrieren und bei jeder Ablenkung zu ihr zurückzufinden. Es geht darum, so etwas Vertrautes wie die Atmung wieder zu entdecken, etwas, das uns seit unserer Geburt begleitet und bei uns sein wird, bis wir diese Welt verlassen, dessen Existenz uns jedoch oftmals nicht bewusst ist.

Eine andere Frage könnte sein: Muss ich Yoga-Erfahrung haben, um Achtsames Yoga oder Mindful Movements machen zu können? Nein, das ist nicht notwendig. Beim Achtsamen Yoga geht es darum, uns unseres Körpers bewusst zu sein, wenn er sich bewegt, was so einfach sein kann wie die Brauen hoch zu ziehen oder die Füße zu bewegen.

Weitere Fragen: Welchen Nutzen kann ich aus dem Kurs ziehen? Du wirst Stress besser begreifen und ihn besser bewältigen können. Und darüber hinaus lernen, dich mit Gedanken, Gefühlen und Empfindungen gewandter auseinander zu setzen.

MindfulGay ist da!

MindfulGay is born

Stress gehört zu unserem Leben.

Selbst wenn wir es nicht zugeben wollen, ist diese Behauptung für jeden von uns eine Realität.

Wir leben in einer hektischen Welt, in der wir kaum Zeit für uns haben. Wir wissen nicht, wie wir unser Tempo verringern können und halten nicht ein, um auf unsere innere Stimme zu hören.

Als schwule und bisexuelle Männer führen wir häufig ein besonders stressiges Leben und viele von uns sind zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Dazu können gehören: Eine uns stark in Anspruch nehmende Arbeit, Homophobie; derzeitige oder frühere Probleme beim Akzeptieren unserer sexuellen Identität; Mobbing in der Schule in unserer Kindheit oder Jugend; der Drang, gut auszusehen und einen perfekten Körper zu haben; unseren Platz in einer überwiegend heterosexuellen Welt und auch innerhalb der schwulen Gemeinschaft zu finden.

Wenn wir auf unsere Gesundheit achten wollen, müssen wir das Tempo drosseln und zugleich all diese unnötigen Belastungen loswerden.

Bei MindfulGay möchten wir dir zeigen, wie du dazu beitragen kannst, deinen Lebensrhythmus zu verlangsamen, um effektiver zu reagieren, um zu lernen, im Hier und Jetzt, Augenblick für Augenblick, zu leben, und ein unbeschwerteres, stressfreies Leben zu führen.

MindfulGay ist eine Plattform für schwule und bisexuelle Männer. Ein Ort, an dem wir dazulernen können. Ein Ort, wo wir wir selbst sein können und uns geschützt fühlen.

Unsere Workshops und Kurse basieren auf dem Programm zur Stressbewältigung durch Achtsamkeit, das ursprünglich vor 35 Jahren von Jon Kabat-Zinn an der University of Massachusetts ins Leben gerufen wurde.

Zahlreiche Artikel und wissenschaftliche Arbeiten zeigen die Erfolge von Achtsamkeit und Techniken zur Stressbewältigung durch Achtsamkeit (MBSR) beim Abbau von Angst und Stress sowie zur Verbesserung der Lebensqualität.

Warum ein Workshop oder Kurs über Achtsamkeit ausschließlich für schwule oder bisexuelle Männer? Weil wir männerliebende Männer in der Gruppe eine Energie gemeinsam haben, die uns als Angehörige einer Gruppe oder eines Stammes stark macht: unsere Gruppe, unser Stamm.

Unser Ziel ist es, Achtsamkeitsmeditation und Stressbewältigungstechniken durch Achtsamkeit (MBSR) in 3- bis 5-tägigen Workshops in verschiedenen Städten der Welt zu unterrichten. Die Infos zu Veranstaltungsorten und Terminen werden auf der Website von MindfulGay bekannt gegeben.

Derzeit wird der 8-wöchige MBSR-Kurs in Spanien in Barcelona, Madrid und Valencia angeboten.

Da wir in einer globalen Welt leben, können die Workshops oder Kurse auf Spanisch, Englisch, Französisch oder Deutsch gehalten werden.

Darüber hinaus werden Einzelsitzungen angeboten, die mehr Flexibilität und individuelle Betreuung bieten.

Mit unserem Blog möchten wir einen Raum schaffen, in dem schwule und bisexuelle Männer Informationen zu Achtsamkeit und Stressbewältigung durch Achtsamkeit finden. Darüber hinaus möchten wir, dass der Blog zu einem Ort wird, an dem Gedanken und Informationen zur schwulen Spiritualität ausgetauscht werden können.

Wir laden dich ein, mitzumachen und ein Teil dieser Gemeinschaft zu werden.

Hilf uns dabei, eine achtsame Gemeinschaft zu bilden!

Was ist Mindfulness oder Achtsamkeit?

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Mindfulness oder Achtsamkeit hat in den letzten Jahren bemerkenswert an Popularität gewonnen und ist zum Gegenstand von Fernsehsendungen, Zeitschriftenartikeln und Büchern geworden. Ein Beispiel dafür ist ein Cover der Zeitschrift Time mit dem Titel The Mindful Revolution.

Auf der gleichen Linie wird auf der ganzen Welt eine beträchtliche Anzahl an Kursen und Workshops zum Thema Achtsamkeit angeboten.

Auch wenn es sich für viele von uns um ein vertrautes Thema handelt: Wissen wir wirklich, was Achtsamkeit bedeutet?
Das Wort Achtsamkeit geht zurück auf die Übersetzung des Wortes ‘sati’ aus der indischen Sprache Pali, in der die Lehren Buddhas ursprünglich geschrieben wurden.

Der Begriff umfasst die Bedeutungen „gewahr werden“, „aufmerksam sein“ und „erinnern“.

Einfach indem wir gewahr werden, was in uns und um uns geschieht, können wir beginnen, uns von Sorgen und komplexen Gefühlen zu befreien.

Indem wir unsere Aufmerksamkeit kanalisieren statt intensive Emotionen zu kontrollieren oder zu unterdrücken, können wir regulieren und justieren, wie wir uns fühlen.

Ein weiterer Aspekt der Achtsamkeit ist das Erinnern. Damit ist nicht die Erinnerung an vergangene Ereignisse gemeint. Vielmehr geht es darum, sich daran zu erinnern, sich dessen, was mit uns geschieht, bewusst zu sein und darauf zu achten.

Der Zen-Meister, spirituelle Führer und weltbekannte Autor Thich Nhat Hanh hat den Begriff Mindfulness bzw. Achtsamkeit zum ersten Mal in seinem Buch Das Wunder der Achtsamkeit verwendet, einem Brief, den er seinen Schülern aus dem Exil schrieb. Darin erinnert er sie daran, wie wichtig es ist, Atemübungen zu machen und stets auf den gegenwärtigen Moment zu achten, um Frieden zu erlangen.

Jahre später führte Jon Kabat-Zinn, Wissenschaftler und Doktor der Molekularbiologie, die achtsame Meditation in die Medizin ein. Er war der erste, der das Potential der Achtsamkeit bei der Behandlung chronischer Krankheiten erkannte. Er passte sie an und strukturierte sie 1979 zu einem achtwöchigen Kurs zur Stressbewältigung an der University of Massachusetts Medical School.

Kabat-Zinn gründete die Stressbewältigungsklinik, die sich später zum Center for Mindfulness in Medicine, Health Care and Society weiterentwickelte. Seit über 30 Jahren arbeiten er und sein Team an der Einbindung der Achtsamkeit und anderer ergänzender Techniken in die Medizin und die Gesundheitswissenschaften.

Auch wenn Achtsamkeit auf Prinzipien der buddhistischen Meditation basiert, wird sie in einem diesseitigen Umfeld gelehrt, das vollkommen frei von religiösen Konnotationen ist.

Stressbewältigung durch Achtsamkeit wird in zahlreichen medizinischen Einrichtungen, Krankenhäusern und Gesundheitsorganisationen auf der ganzen Welt eingesetzt, um Patienten zu helfen, Stress, Angst oder Schmerzen zu begegnen.

Schon seit einiger Zeit ist die Achtsamkeit nicht länger auf den medizinischen Fachbereich beschränkt und wird mittlerweile in so unterschiedlichen Gebieten wie Erziehung und Sozialarbeit angewandt, in Anwaltskanzleien und juristischen Fakultäten sowie in Unternehmen wie zum Beispiel Google, Target, Asana oder Medium, die sie ihren Mitarbeitern anbieten.